Am 22.02.17 fand in Schule an der Rolandsmauer eine von dem Fachverband für Sonderpädagogik vds, Regionalverband Osnabrück und dem Netzwerk Inklusion Osnabrück gemeinsam organisierte Veranstaltung „Inklusion in der Sekundarstufe 1“ statt. Etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßte Benno Schomaker als Hausherr und Vorsitzender des vds im Regionalverband Osnabrück. Er berichtete von den aktuellen Schülerzahlen, die an allgemeinen Schulen im Sekundarbereich 1 in Stadt und Landkreis Osnabrück inklusiv beschult werden. Frau Rebecca Babilon begrüßte als Vertreterin des Netzwerks Inklusion alle anwesenden Eltern, PolitikerInnen, Vertreter der Stadt und Lehrkräfte.

 

Diese konnten sich in fünf parallel angebotenen Workshops mit den Gelingensbedingungen und Stolpersteinen der Inklusion in der Sekundarstufe 1 auseinandersetzen:

 

  • Workshop 1: „Es geht nicht ohne Extrawurst“ (Ditmar Dörrie, Förderschullehrer vom Mobilen Dienst der Herman-Nohl-Schule):
    Ditmar Dörrie (Mobiler Dienst für den Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung) erläutert die schwierige Situation im Klassenzimmer, als Lehrkraft mit „schwierigen“ Schülern inklusiv umzugehen. Anhand verschiedener Berühmtheiten, die in ihrer Kindheit als „schwierig“ galten, verdeutlichte er zu Beginn, dass eine Gesellschaft nicht auf „Dickköpfe“ mit kreativen, innovativen Ideen verzichten kann. Er stellte danach verschiedene Störungsbilder (Fetales Alkoholsyndrom, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, Autismus-Spektrums-Störung) vor und erläuterte Möglichkeiten im Umgang mit herausforderndem Verhalten. Die ideale Voraussetzung für den Umgang mit „schwierigen“ Schülern sieht er in einer gut funktionierenden Klasse in einer gut funktionierenden Schule und besonders in der Fehler akzeptierenden Grundeinstellung der Lehrkraft.(Judith Koers)

  • Workshop 2: „Übergang Schule – Beruf im inklusiven Setting an der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Gütersloh“ (Antonia Bitdorf, Förderschullehrerin):
    Antonia Bitdorf erläuterte die vielfältigen berufsorientierenden Angebote, die an der JKS für deren heterogene Schülerschaft angeboten werden- für Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Unterstützungsbedarfen, Haupt- und Realschülerinnen und -schüler sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Für die Teilnehmenden des Workshops war es sehr interessant zu hören, dass alle Schülerinnen und Schüler von bestimmten übergreifenden Angeboten profitieren und welche speziellen pädagogischen und organisatorischen Maßnahmen sich darüber hinaus bewährt haben, um verschiedenen Förderbedarfen Rechnung zu tragen. Es kam ein reger Austausch zustande. (Claudia Lühker)

  • Workshop 3: „Der Förderschwerpunkt Lernen in der Inklusion“ (Silke Schwerger, Ina Folkers, Förderschullehrerinnen):
    Der Workshop bot vielfältige praxisbezogene Anregungen für die inklusive Arbeit in der Sekundarstufe 1. Beispielhaft wurden schulübergreifende Curricula, Förderpläne, differenzierte Lehrmittel sowie Aspekte des Classroom-Managements vorgestellt. Die Auseinandersetzung mit diesen Angeboten führte zu einem regen Erfahrungsaustausch der teilnehmenden Lehrer/innen, Eltern und Politikerinnen.(Gerit Gordian)

  • Workshop 4: Erfahrungen aus der Integration/ Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung“ (Imke Mennenga-Schagon, Mutter & Antje Wagener, Förderschullehrerin):
    Die Förderschullehrerin Frau Wagener und Frau Mennenga-Schagon als Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom berichteten von ihren Erfahrungen aus dem gemeinsamen Unterricht.
    Frau Mennenga-Schagon schilderte den Wunsch nach ‚Teilhabe auf Augenhöhe’ und den Weg ihres Sohnes über den heilpädagogischen Kindergarten in eine Kooperationsklasse, eine Integrationsklasse an einer IGS sowie eine Förderschule. Frau Wagener verglich aus ihrer beruflichen Erfahrung die unterschiedlichen (Rahmen‑)Bedingungen in verschiedenen Settings des gemeinsamen Lernens wie Integrations- und Kooperationsklasse sowie inklusive Beschulung.
    Im angeregten Austausch miteinander formulierten die Teilnehmenden u.a. folgende Herausforderungen und Gelingensbedingungen inklusiver Beschulung in der Sekundarstufe 1:
    Ø  Das Menschenbild und die Haltung ist grundlegend: Es geht um ‚Teilhabe auf Augenhöhe’. Das gesamte Kollegium muss Inklusion wertschätzen.
    Ø  Die Regelschule muss ihre gesamte Organisation auch auf die SchülerInnen mit dem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung abstimmen. Das System muss angepasst werden.
    Ø   Die ‚Vorherrschaft der kognitiven Ebene’ im Unterricht muss durchbrochen werden, eine auf Vielfalt und Differenzierung ausgelegte Unterrichtsmethodik und –Didaktik ist unabdingbar.
    Ø  In der Sekundarstufe stellt die Pubertät der SchülerInnen einen großen Einschnitt für das gemeinsame Lernen dar. Bislang zeigen sich ab Klasse 7/8 große Schwierigkeiten bei der sozialen Teilhabe, für die es derzeit unter den gegebenen Bedingungen noch wenige Lösungsvorschläge gibt.
    Ø  In einer Klasse muss ‚Behinderung’ thematisiert werden, um durch Informationen Verständnis zu wecken.
    Ø  Einzelinklusion ist schwierig, auch SchülerInnen mit dem Unterstützungsbedarf Geistige Entwicklung brauchen eine Peer-Group und Freunde. Eventuell könnten Schwerpunktschulen ein Weg sein.Ø  Es bedarf in der Inklusion insgesamt offenerer, individuellerer und flexiblerer Möglichkeiten – etwa in Bezug auf einzelne SchülerInnen, auf Unterricht, Strukturen innerhalb einer Regelschule (etwa ein Kursband für alle SchülerInnen mit Unterstützungsbedarf aus allen Jahrgängen) und/oder Kooperationen und Zusammenarbeit von Klassen und Schulen.(Rebecca Babilon)

  • Workshop 5: „Arbeit in einer inklusiven Sekundarschule am Beispiel der Alexanderschule Wallenhorst“ (Martin Negel, Lehrer)
    Martin Negel berichtet über die Arbeit in der Alexanderschule Wallenhorst und das dortige Inklusionskonzept. Die Hauptschule hat einem Anteil von 15-20% Schülerinnen und Schüler mit dem Sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf Lernen und Geistige Entwicklung und arbeitet bereits seit fast 10 Jahren inklusiv. Zunächst wurden Prinzipien sowie besondere Strukturen der Schule vorgestellt. Besonders interessiert waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Arbeit mit differenzierten, kompetenzorientierten Arbeitsplänen. Das Erstellen der entsprechenden Raster wurde von Herrn Negel anschaulich und praxisorientiert dargestellt. Mithilfe dieser Raster lassen sich alltagstaugliche Hilfen für die inklusive Arbeit erstellen, die nachhaltig und effektiv für alle kommenden Jahrgänge der Schule genutzt werden können. (Ulrike Festring)

Die Veranstalter waren beeindruckt von der großen Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es zeigte deutlich den großen Bedarf an Diskussion und Austausch hinsichtlich der Gelingensbedingungen von Inklusion. Die Resonanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu dieser Veranstaltung war durchweg positiv.